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Alkyones Lichte

Alkyones Lichte, oder: Sehen, was wird.

Was wir sehen, ist nicht das, was wir zu sehen glauben. Mit jedem Blick verändert sich zuvor Wahrgenommenes. Realitäten? Lassen sich nicht rahmen.

Je nach Licht und Zeit, je nach Perspektive und Haltung, Ort und Ton offenbart sich Neues bewährt oder Altes in neuer Gestalt, atmet Bewegung Wandel. Der französische Philosoph Maurice Merleau -Ponty formulierte einst in Le visible et l’invisible (1968), dass wir die Welt durch die Dinge und Erscheinungen, die uns ins Auge springen, sehen; dass es aber auch erforderlich und förderlich sei, (sie) sehen zu lernen.

Alkyones Lichte leuchten vielseitig, weisen den Weg in die Sterne, Mythologie, Kunst, Musik, Flora und Fauna, die sinnliche und übersinnliche Welt. Alkyone, das ist der hellste Stern der Plejaden, jenes Sternenhaufens, der aus mehreren hundert Sternen besteht; nur die leuchtkräftigsten sind für das bloße menschliche Auge sichtbar. Alkyone, das ist die kluge Sehende, von der Ovid in seinen Metamorphosen schreibt: In Trauer um ihren gefallenen Gatten in einen Eisvogel verwandelt, um ihr Leid zu mindern, geht schließlich auch sein Körper über in die Gestalt eines Eisvogels, und diese Verwandlung sichert die Liebe der beiden. „Es blieb, obschon unterworfen der gleichen Wandlung, ihr Lieben bestehn“, schildert Ovid die schillernde Kehr von Trauer in Treue.

Wesen in Wandlung.
Wandel im Wesentlichen.

Es sind die Transformationen von Farbe und Form, das Schimmern von Licht und Durchschimmern von Struktur und Tiefe, die Reza Nassrollahi in seiner Arbeit inte ressieren. Kaum glaubt man, begriffen zu haben, was seine farbimposanten Bilder zeigen, scheint schon wieder eine andere Lesart durch. Das Auge navigiert und macht organische Formen aus: mal ein Tier, ein Fabelwesen, dann doch wieder ein Pfanzentanz, ein Reigen der Elemente.

Ihre lyrische Entsprechung erfahren Reza Nassrollahis Malereien in den vielschichtigen Text bildern von Nic Leonhardt. Das Gesehene, das sinnlich Erfasste jedes einzelnen Bildes, über trägt sie in die asketische Form japanischer Haikus. Siebzehn Silben fächern sich auf in Kaleidoskope und Echolote aus Worten und Klang.

Was sehen wir, wenn wir zu wissen glauben? Formen? Farben? Details? Komplementäres? Zunächst ersichtlich, erweitert sich der erneute Blick auf Bild und Text zu einer gänzlich neuen Welt. 

Heute anders als gestern. Morgen? Wir werden sehen. 

Nic Leonhardt

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